Soll oder muss ich meinen Hund kastrieren?
immer und immer wieder werde ich mit dieser Frage konfrontiert und immer und immer wieder kann ich da keine eindeutige JA / NEIN Antwort darauf geben.
Warum? Nun ja weil dies ein Eingriff ist, welcher weitereilende Folgen haben kann. Ich möchte hier versuchen das Thema Kastration mal rund um ein wenig zu beleuchten.
Fangen wir mal mit den Fakten an:
- Von einer Kastration spricht man, wenn die hormonproduzierenden Keimdrüsen des Hundes entfernt werden, beim Rüden also die Hoden und bei der Hündin die Eierstöcke (und normalerweise auch die Gebärmutter). Bei der Sterilisation werden jedoch die keimableitenden Wege, sprich Samen- und Eilleiter durchtrennt oder (teilweise) herausgenommen, so dass keine Keimzellen mehr transportiert werden können. Beide OP´s machen den Hund unfruchtbar. Der Vorteil der Sterilisation ist hierbei, dass nicht in den Hormonhaushalt des Hundes eingegriffen wird, was natürlich auch einen Nachteil darstellen kann, denn die hormonell bedingten Verhaltensweisen und möglichen Erkrankungen bleiben bestehen.
- Das in Deutschland geltende Tierschutzgesetz verbietet das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entfernen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres und damit grundsätzlich auch die Kastration oder Sterilisation. Die Erlaubnis zur operativen Unfruchtbarmachung ist nach deutschem Recht auf wenige Ausnahmen begrenzt, die in § 6 Abs. 1 Satz 1 TierSchG aufgezählt sind. Für Haustiere ist die operative Unfruchtbarmachung im Einzelfall erlaubt, wenn sie nach der Indikation eines Tierarztes geboten ist oder eine unkontrollierte Fortpflanzung verhindert werden soll.
- Oft wird außer Acht gelassen, dass sich das Risiko anderer Erkrankungen nach einer Kastration erhöht und die OP durchaus mit nicht unerheblichen Risiken verbunden ist und dass die Kastration zur Prävention möglicher zukünftiger Erkrankungen nicht gesetzlich abgedeckt ist (vor allem Hündinnen werden teilweise sehr früh kastriert, um möglichen zukünftigen Krankheiten vorzubeugen).
Was sind medizinische Gründe für die Kastration der Hündin?
Bösartige lebensbedrohliche Tumore an den Eierstöcken, der Gebärmutter, den Gesäugeleisten oder im Analbereich. Wiederholte Gebärmuttervereiterung bzw. -entzündungen. Einige Hündinnen produzieren zu viel Östrogen, so dass sich regelmäßig Zysten an den Eierstöcken bilden und es zu Haut- und Haarveränderungen oder zu chron. Ohrenentzündungen kommt. Die Überproduktion kann auch zu Veränderungen an der Gebärmutter führen. Abnormalen Anschwellen des Scheidengewebes in den Zyklusphasen Proöstrus und Östrus, Scheidenvorfällen oder aber auch Diabetes erfordern eine sofortige Kastration der Hündin, da Östrogene die Wirkung der nötigen Medikamente behindern.
Was sind medizinische Gründe - für die Kastration des Rüden?
Bösartige Hodentumore, regelmäßige Hodenentzündungen, ernste Hodenverletzungen, bösartige Prostatatumore sowie Perianaltumore oder Perinealhernie. Ebenso sollte bei einem beidseitigen Hodenhochstand eine Kastration beim Rüden durchgeführt werden, da es ansonsten zu tumorösen Entartungen der im Bauchraum verbliebenen Hoden kommen kann. Bei einem einseitigen Kryptorchismus reicht es jedoch, nur den im Bauchraum vorhandenen Hoden zu entfernen und durch eine Sterilisation die Weitergabe dieser Erbkrankheit zu verhindern.
Was für weitere Gründe kann es für eine Kastration geben?
- Der Besitzer findet es unhygienisch, wenn die Hündin blutet oder möchte nicht das der Rüde alles markiert.
- Der Hund ist zu agil, zu aggressiv, zu "anstrengend"... mit ner Kastration wird das bestimmt alles vielll besser!!!
FEHLANZEIGE!!!!
Kastrierte Hunde bleiben auch danach sehr bewegungsfreudig und aktiv. Sind die entsprechenden „unerwünschten“ Verhaltensweisen durch die Sexualhormone beeinflusst, kann eine Kastration in manchen Fällen zu Verhaltensänderungen führen. Sind die diese aber erlernt oder Ausdruck einer fehlenden Erziehung wird eine Kastration zu keiner Veränderung führen, in manchen Fällen sogar zu einer Verschlimmerung. Oft ist die Kastration nicht die richtige Lösung, auch wenn sie einfacher erscheint. Meist ist eine Investition in gute Ausbildung sinnvoller, die zwar viel Geduld und Konsequenz (vor allem vom Frauli oder Herrli) benötigt, aber letztendlich zielführender ist.
Viele sind also der Meinung durch eine Kastration verändert sich das Verhalten des Hundes, ist dem wirklich so?
Sollte deine Hündin während ihrer Läufigkeit zum vermehrten Streunen neigen und der Rüde ständig auf Freiersfüßen wandeln und dann dein Haus mit seinem Urin markieren, vermehrt Jaulen, unruhig sein und kaum noch Fressen, ja - dann kann eine Kastration hilfreich sein. Auch bei der echten Hypersexualität des Rüden verschafft die frühzeitige Kastration eine Verbesserung des Verhaltens.
ABER Das Aufreitverhalten der Junghunde ist meist nicht sexuell motiviert, sondern dient oft dem Stressabbau in Konfliktsituationen oder entsteht aus Langeweile. Es kann auch eingesetzt werden, um einen vermeintlichen Konkurrenten in seiner Bewegungsfreiheit einzuschränken. Daher sollte man, genauer hinzuschauen, wenn der eigene Hund einen Artgenossen besteigt.
Ist vorher wenigstens ansatzweise irgendeine Form von Balzverhalten zu erkennen? Beschnüffelt und leckt der entsprechende Vierbeiner ausgiebig im Anal- und Genitalbereich seines Gegenübers, sondert der Hund zähflüssigen Speichel ab in Kombination mit Zähneklappern und leichtem Kräuseln der Oberlippe?
Falls nicht, handelt es sich in den meisten Fällen auch nicht um ein sexuell motiviertes Aufreiten und eine Kastration führt eher zu keiner Veränderung oder sogar zu einer Verschlimmerung im Aufreitverhalten.
„Mein Hund ist so aggressiv, ich kastriere ihn damit er ruhiger wird“
Na wie oft habt ihr diesen Satz schon gehört? VORSICHT! Für die Entstehung des Aggressionsverhaltens bei Hunden gibt es nicht nur einen Grund. Oft stecken andere Probleme wie Stress, Schmerz oder erlerntes Verhalten dahinter. Wenn zwei intakte Rüden oder geschlechtsreife Hündinnen gemeinsam in einem Haushalt leben und sich als sexuelle Konkurrenten sehen kann es zu massiven Beißvorfällen kommen. Man liebt aber ja beide und eine Abgabe einer der beiden ist beim besten Willen nicht möglich, dann kann die Kastration des Rüden/ der Hündin mit dem geringeren Führungsanspruch sinnvoll sein. Diese muss dann aber bei den ersten Anzeichen frühzeitig geschehen, um das beginnende Aggressionsverhalten entsprechend zu reduzieren.
Ich finde hierbei spielt die Rollenverteilung im Rudel auch eine ganz große Rolle, wie ist der Umgang von Hundehalter und den einzelnen Hunden, wie wird mit Konflikten oder Herausforderungen umgegangen? Welches Verhalten leben wir unseren Hunden vor? Aggression, Auslastung, Hektik, Raum und Platz Angebot, Regeln… alles Dinge die zu Aggressiven Verhalten führen können aber die noch lange keine Kastration zur Folge haben müssen…
Verändert die Kastration das Wesen meines Hundes?
Meine Recherche hat folgendes ergeben:
Durch die Kastration kommt es zu sofortigen hormonellen Umstellungen beim Hund. Die Verbrennungsleistung in der Zellatmung geht zurück und dadurch wird der Grundstoffwechsel um ca. 30% verringert. Einige Hunde erscheinen nach einer Kastration daher träger, und brauchen nicht mehr so viel Energie. Testosteron und Östrogen haben darüber hinaus auch eine appetitdämpfende Wirkung, so dass das Sättigungsgefühl später eintritt. Deshalb sollte die Fütterung des Hundes angepasst werden, ansonsten kommt es zu Übergewicht. Einige kastrierte Rüden zeigen nach einer Kastration eine gesteigerte Aggression gegenüber gruppenfremden Lebewesen, wenn sich Jungtiere (dies schließt auch Babys ein) in der eigenen Gruppe befinden. Grund dafür ist die nun vermehrte Wirkung des Prolaktins, das für das Brutpflegeverhalten verantwortlich ist.
Bei allen Verhaltensweisen, die Cortisol gesteuert sind, wird eine Kastration das gezeigte Verhalten eher verschlimmern, da die Geschlechtshormone als Gegenspieler zum passiven Stresshormon Cortisol fungieren. Futter- und Angstaggressionen sowie eine eher defensive motivierte Territorialverteidigung wird verstärkt gezeigt bzw. durch eine Kastration nicht beeinflusst. Da Cortisol auch mit der Entstehung einer echten Trennungsangst zu tun hat, kommt es auch in diesem Bereich zu einer Verschärfung der Problematik.
Ebenso wenig wird sich das 🦌Jagdverhalten nach einer Kastration nicht zum Wohle des Halters verändern. Vielmehr zeigen viele Hunde nach der Kastration ein gesteigertes Interesse am Verfolgen von Beutetieren, denn die Sexualhormone wirken eher dämpfend auf die Jagdleidenschaft des Hundes. Nehme ich meinem stark jagdlich motivierten Hund also die Geschlechtshormone, so kann sich dieser nun vermehrt dem Suchen und Hetzen widmen.
Was soll man den noch alles bedenken????… nun so einiges. Denn bereits bei der Geburt des Welpen können Dinge passieren die den unwissenden Halter, später vielleicht zu einer Kastration bewegen können.
Ich habe eine „Rüdin“ eine kleine pöppelnde Hündin… ich kastriere Sie, damit sie ruhiger wird…
aha ok ja na dann bedenke folgendes:
Auch bei Hündinnen, die sich ganzjährig sehr rüpelhaft gegenüber Artgenossen jeglichen Geschlechts und Alters zeigen, führt die Kastration eher nicht zu einer Verbesserung sondern in vielen Fällen sogar zu einer Verschlimmerung. Diese „Rüdinnen“ zeigen eher männliches Verhalten, sie heben zum Markieren das Bein und kümmern sich intensiv um die Revierverteidigung. Grund dafür ist der vorgeburtliche Einfluss des mütterlichen Testosterons, da dieses plazentagängig ist. Aber auch die Lage des weiblichen Embryos in der Gebärmutter kann solche vermännlichten Hündinnen erzeugen. Liegt die Hündin nämlich zwischen mehreren männlichen Geschwistern, kann über die Nabelschnur das von den Brüdern produzierte Testosteron in den Blutkreislauf der Schwester gelangen und dort schon zum Ende der zweiten Trächtigkeitswoche seine volle Wirkung entfalten. Der Programmierung des Gehirns in Richtung männlicherem Verhalten steht dann nichts mehr im Weg. Kastriere ich eine solche Hündin, nehme ihr also den hormonellen Gegenspieler, das Östrogen weg, hat das eigen produzierte Testosteron freie Bahn – mit all seinen negativen Wirkungen für den Halter.
Buhh was nun Wesensveränderungen ja oder nein? Antwort: es kann, muss aber nicht! Wenn dann können diese aber weder für den Halter noch für den betreffenden Hund positiv ausfallen. Daher sollte man hier, wie überall Vor- und Nachteile einer Kastration gut gegenüberstellen und die eventuell nachfolgenden Wirkungen zu bedenken.
Nun, schauen wir uns mal die möglichen Nebenwirkungen an…
📌 Inkontinenz: Vor allem bei Hündinnen, kann es durch die hormonellen Veränderungen passieren, dass der Schließmuskel nicht mehr ausreichend in der Lage ist, die Harnröhre abzudichten und es besonders im Schlaf zu unkontrolliertem Verlust von Urin kommt. Hündinnen mit einem Körpergewicht von über 20 Kilogramm sind eher von einer Inkontinenz betroffen. Auch die Rasse der kastrierten Hündin hat Einfluss auf diese Form der Blasenschwäche.
- Fellveränderungen: Bei Hündinnen mit langhaarigem Fell und/oder roter Fellfarbe bewirkt die Kastration oft ein vermehrtes Wachstum der Unterwolle, das Fell bekommt wieder ein eher welpenähnliches Aussehen. Bei Rüden entsteht in einigen Fällen ein stumpferes und flauschigeres Fell, da die Steuerungsfunktion des Testosterons auf die Talgdrüsen wegfällt. Bei beiden Geschlechtern kann es auch zum symmetrischen Haarausfall im hinteren Rumpf- und Flankenbereich kommen.
- Auswirkungen auf das Immunsystem und Stoffwechselerkrankungen
Die Sexualhormone spielen auch eine Rolle in der Regulierung des Immunsystems. Ihre Entfernung kann das Risiko für Autoimmunerkrankungen und allergische Reaktionen erhöhen.
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- Eine Studie von Hoffman et al. (2013) zeigte, dass kastrierte Hunde ein höheres Risiko für Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) haben.
- Sundburg et al. (2016) fanden heraus, dass kastrierte Hündinnen eine höhere Anfälligkeit für Übergewicht und Diabetes mellitus aufweisen.
- Übergewicht: Bei vielen kastrierten Hunden ist eine Gewichtszunahme feststellbar. Dafür ist der bereits gestern erwähnte reduzierte Energiebedarf und die fehlende appetitdämpfende Wirkung der Geschlechtshormone nach der Kastration verantwortlich. Eine teuflische Kombination, da die Hunde nun ein größeres Hungergefühl verspüren, aber eigentlich weniger Energie benötigen. Wird die Ernährung daraufhin nicht angepasst, dann kann es zu Übergewicht mit all seinen gesundheitlich schädlichen Folgen (erhöhte Anfälligkeit für Diabetes Typ II, Herzkreislauferkrankungen, Verdauungsprobleme, erhöhtes Risiko von Harnsteinbildung, erhöhtes Narkoserisiko, Gelenkserkrankungen, verringerte Lebenserwartung) kommen.
- Tumore: Viele Hündinnen werden bereits sehr früh kastriert, um das Risiko von Gesäuge- oder Gebärmuttertumoren zu verringern. Dass dieser prophylaktische Eingriff gemäß dem TierSchG unzulässig ist, hab ich ja bereits erwähnt. Was vielen Hundehaltern jedoch nicht bewusst ist und auch nicht mitgeteilt wird ist, dass durch die Kastration das Risiko, an anderen Tumoren zu erkranken, höher wird. So haben z.B. kastrierte Rüden ein bis zu dreimal so hohes Risiko, an Prostatatumoren zu erkranken. Bei kastrierten Hündinnen können Tumore rund um den After und Schließmuskel nun häufiger entstehen. Bei beiden Geschlechtern steigt durch die Kastration das Risiko der Bildung von Tumoren an Milz, Herz oder Knochen.
Noch ein paar Infos aus Studien dazu...
Während oft behauptet wird, dass eine Kastration das Krebsrisiko senkt, zeigen aktuelle Studien, dass eine Kastration – insbesondere eine frühe – das Risiko für bestimmte aggressive Krebsarten erhöht.
Studienbelege:
- Hämangiosarkome (Blutgefäßkrebs):
Eine Studie von Cooley et al. (2002) zeigte, dass kastrierte Hündinnen 4-mal häufiger an Hämangiosarkomen der Milz erkranken als intakte Hündinnen. - Osteosarkome (Knochenkrebs):
Eine Langzeitstudie von Ru et al. (1998) ergab, dass kastrierte Hunde ein um 30-50 % erhöhtes Risiko für Osteosarkome aufweisen. - Lymphome:
Die Forschung von Zink et al. (2014) zeigte, dass früh kastrierte Hunde ein signifikant erhöhtes Risiko für Lymphome und Mastzelltumoren haben.
Diese Daten widerlegen die oft geäußerte Behauptung, dass eine Kastration generell das Krebsrisiko senkt. Vielmehr scheint die Entfernung der Sexualhormone die Entstehung anderer, oft schwerwiegenderer Krebsarten zu begünstigen.
Speziell für Hündinnen ist ja das Thema Mammatumore immer im Hinterkopf, auch dazu hab ich noch ein wenig recherchiert...
Die Annahme, dass eine Kastration das Risiko für Milchleistentumore (Mammatumoren) reduziert, ist weit verbreitet, doch neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass dieser Zusammenhang nicht eindeutig belegt ist. Lange Zeit wurde angenommen, dass eine frühe Kastration das Risiko für Mammatumoren signifikant senkt, doch diese These basiert auf älteren Studien mit methodischen Mängeln.
Die Rolle von Sexualhormonen bei Mammatumoren
Es ist korrekt, dass Östrogene eine Rolle im Wachstum bestimmter Brusttumoren spielen können. Allerdings entwickeln sich viele Mammatumoren unabhängig von hormonellen Faktoren, insbesondere im späteren Lebensalter. Das bedeutet, dass die alleinige Reduktion von Sexualhormonen durch eine Kastration keinen garantierten Schutz vor diesen Tumoren bietet.
Fehldeutungen früherer Studien
Eine der bekanntesten Studien zu diesem Thema stammt von Schneider et al. (1969). Sie behauptete, dass eine Kastration vor der ersten Läufigkeit das Risiko für Mammatumoren um 99 % senkt. Diese Studie wurde jedoch nie in unabhängigen Langzeitstudien reproduziert und weist erhebliche methodische Schwächen auf. Dennoch wird sie oft als Argument für eine frühzeitige Kastration herangezogen, obwohl aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen andere Erkenntnisse liefern.
Neuere Studien zeigen keinen klaren Zusammenhang
Eine groß angelegte Studie von Moe (2001) konnte keine signifikante Reduktion des Mammatumorrisikos bei kastrierten Hündinnen im Vergleich zu intakten Hündinnen feststellen. Ebenso analysierte eine Untersuchung von Beauvais et al. (2012) systematisch bereits vorhandene Studien zu diesem Thema und kam zu dem Schluss, dass es keine eindeutige wissenschaftliche Grundlage für eine Schutzwirkung der Kastration gegen Mammatumoren gibt. Diese Ergebnisse stellen die gängige Praxis der Frühkastration zur Krebsprävention infrage.
Alternative Risikofaktoren für Mammatumoren
Viel wichtiger als der Kastrationsstatus sind andere Risikofaktoren, die einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung von Mammatumoren haben. Dazu gehören:
- Genetik: Bestimmte Rassen wie Boxer, Cocker Spaniel oder Dackel haben ein erblich bedingtes, erhöhtes Risiko für Mammatumoren – unabhängig davon, ob sie kastriert wurden oder nicht.
- Ernährung: Übergewichtige Hündinnen haben ein höheres Risiko für Mammatumoren, da Fettgewebe Östrogene produziert. Eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Gewicht sind daher entscheidend für die Tumorprävention.
- Umweltfaktoren: Chemikalien, Pestizide und Zusatzstoffe im Futter können das Krebsrisiko erhöhen. Die Vermeidung von schädlichen Umweltfaktoren kann daher einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Hündin leisten.
Diese Faktoren haben oft einen stärkeren Einfluss auf die Tumorentwicklung als der Kastrationsstatus. Das bedeutet, dass eine Kastration allein keinen ausreichenden Schutz bietet und andere präventive Maßnahmen, wie eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf Umweltgifte, eine viel größere Rolle spielen.
- Bewegungsapparat: Bei allen kastrierten Hunden besteht eine erhöhte Gefahr für Gelenkfehlbildungen und Gelenkschäden. Hierbei gilt, je früher ein Hund kastriert wurde, desto größer das Risiko. Auch die Wahrscheinlichkeit von Kreuzbandrissen steigt bei Kastraten. Grund hierfür ist der verstärkte Muskelabbau und die eintretende Bindegewebsschwäche durch den Wegfall des Testosterons. Dieses Hormon führt normalerweise zur Bildung robusterer Knochen, einer Verstärkung der Skelettmuskulatur und des Bindegewebes. Sind bereits Schäden im Bewegungsapparat vorhanden oder in den Anlagen leider angelegt (HD/ED), dann wirkt sich eine Kastration noch verheerender aus.
Auch dazu gibt es verschiedene Studien:
Das Wachstum eines Hundes wird durch Wachstumsfugen in den Knochen gesteuert, die sich normalerweise im Zuge der Pubertät unter dem Einfluss von Sexualhormonen schließen. Eine Kastration vor Abschluss der Pubertät verzögert diesen Prozess und führt zu einem verlängerten Knochenwachstum. Das Resultat ist eine unproportionale Körperstruktur mit längeren Gliedmaßen und veränderten Gelenkwinkeln, was zu orthopädischen Problemen führen kann.
Studienbelege:
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- Eine Studie der University of California, Davis (Torres de la Riva et al., 2013) zeigte, dass kastrierte Labrador Retriever ein deutlich höheres Risiko für Hüftdysplasie und Kreuzbandrisse aufweisen als nicht kastrierte Tiere.
- Eine weitere Studie von Howe et al. (2001) bestätigte, dass Hunde, die früh kastriert wurden, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an orthopädischen Erkrankungen leiden.
- Eine Untersuchung an Golden Retrievern (Hart et al., 2014) ergab, dass kastrierte Tiere ein doppelt so hohes Risiko für Kreuzbandrisse hatten wie nicht kastrierte Tiere.
- Altersdemenz: Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen sorgt im Gehirn dafür, dass das Protein, aus dem die Alzheimer-Ablagerungen hauptsächlich bestehen, weniger produziert wird und bestehende Ablagerungen abgebaut werden. Beim Rüden wird hierzu Testosteron im Gehirn zu Östrogen umgewandelt. Fällt aber diese Schutzfunktion des Östrogens weg, dann steigt das Risiko von Altersdemenz-Erscheinungen. Orientierungslosigkeit, Vergesslichkeit, gesteigerte Nervosität und teilweise Aggressivität sowie Schlafstörungen sind im Alter nun eher und früher zu erwarten.
Wenn, dann wann?
Sollte eine Kastration also warum auch immer unumgänglich sein, sollte diese frühestens nach Abschluss der Pubertät stattfinden, es sei denn eine dringende medizinische Indikation liegt vor. Als Anhaltspunkt für diesen Zeitpunkt kann bei der Hündin das Ende der dritten Läufigkeit, mit all ihren Folgeerscheinungen herangezogen werden. Je nach Rasse bzw. Größe der Hündin also unterschiedlich. Wenn man bedenkt das die Mädels der HonkeyDonks jetzt mit knapp 9 Monaten beginnen läufig zu werden… dies mal 3 also 27 Monate… bei manchen anderen aber kann die Läufigkeit auch erst später einsetzen und damit würde sich dies dann auch alles noch verschieben. Dieser grobe Zeitrahmen sollte ebenfalls für den jungen Rüden gelten. Aber warum sollte ich das Ende der Pubertät abwarten, bevor ich meinen Hund kastriere?
Weil das Wachstum des Hundes abgeschlossen sein sollte… Die Hormone und damit verbundenen Wachstumsfaktoren setzen eine ganze Reihe an grundlegender physiologischer Prozesse in Gang. So haben die produzierten Hormone Auswirkungen auf den gesamten Körper des Hundes, zum Beispiel auf das Längenwachstum der Röhrenknochen - durch die Hormone werden die sogenannte Wachstumsfugen geschlossen. Die Wachstumsfugen sind weiche knorpelige Fugen kurz vor dem Gelenkstücken der jeweiligen Knochen. Diese Fugen müssen zum Beenden des Längenwachstums endgültig verknöchern. Solange die Wachstumsfugen aber geöffnet sind, kann der Knochen immer weiter in die Länge wachsen. Dadurch wird sowohl der Muskelaufbau als auch der der Bänder und Sehnen verstärkt, was zu veränderten Drehmomenten und Drehverhältnissen an den Gelenken der jungen Hunde führt.
Die Wachstumshormone spielen aber auch für die Entwicklung des Herz-Kreislauf-Systems eine Rolle. So zum Beispiel für die Vergrößerung und Verstärkung des Herzens. Passt also die Größe von Körper und Herz nicht zueinander – das Herz kann für die Körpergröße des Hundes zu klein oder auch zu schwach sein. So kann es vermehrt zum Auftreten von Herzschwächen und Kreislaufproblemen kommen.
Was alles kann im Hirn der Hunde nicht mehr passieren, wenn zu früh schnipp schnapp gemacht wird:
Während der Pubertät macht auch das Gehirn eine gewaltige Entwicklung, es passieren zahlreiche Umbau-, Aufbau-, und Abbauprozesse. Unter anderem nimmt während der Pubertät die Umhüllung der Nervenfasern zu. Damit ist eine bessere Abgrenzung zu anderen Nervenfasern möglich und somit für die eindeutigen Reizweiterleitungen im Gehirn verantwortlich. Die Informationen, in Form von elektrischen Impulsen werden besser in der Nervenfaser gehalten und es kann zur reibungslosen Informationsweitergabe kommen. Dies ist ein wichtiger Faktor, wenn es z.B. um Lern- und Denkprozesse geht. Darüber hinaus werden unnötige Umwege und Nebenwege im Gehirn abgebaut. Das klingt erst einmal nicht so gut, aber wenn es weniger Umwege bei der Reizverarbeitung gibt, gelangt die Information schneller und effektiver ans Ziel. Die Reduktion von Nervenzellen während der Pubertät ist also ein wichtiger Schritt hin zum Erwachsen werden. Zusätzlich nimmt die Empfindlichkeit für Nervenimpulse in manchen Bereichen des Gehirns zu, während sie in anderen Bereichen abnimmt. Ein Beispiel einer solchen Umgestaltung ist die Hirnrinde, genauer, das Stirnhirn. Dieser Bereich wird mit Sozialverhalten und sozialen Kompetenzen in Verbindung gebracht. Während durch die Entwicklung mittels Sexualhormone die Empfindlichkeit in diesem Hirnbereich steigt, wird die Empfindlichkeit im emotionalen Bereich des Gehirns, des limbischen Systems verringert. Resultat dieser Umbauprozesse ist also, dass bei gleicher Anwesenheit von Botenstoffen, mehr rationale als emotionale Entscheidungen getroffen werden können – ein ganz entscheidender Prozess für das Zusammenleben mit Artgenossen.
Durch die Pubertät kommt es also nicht nur zu wichtigen körperlichen Veränderungen beim Hund, sondern auch zu weitreichenden Umorganisationen im Gehirn. Erst nach Abschluss der Pubertät zeigt der Hund das für Erwachsene typisch rational-vernünftige Verhalten. Stimmungsschwankungen, eine erhöhte Reizbarkeit sowie Stressanfälligkeit und eher emotional gesteuertes Verhalten gehören dann hoffentlich der Vergangenheit an. Unser Vierbeiner ist dann auch in der Lage, Probleme viel effektiver zu lösen.
Findet aber eine Kastration vor diesem wichtigen Entwicklungsabschnitt statt, kann es nicht nur zu körperlichen Problemen im Bewegungsapparat und Herz-Kreislaufsystem kommen, sondern auch dazu führen, dass der betreffende Hund in der Pubertät steckenbleibt. Wollt ihr das? Nee bestimmt nicht und deshalb ist meine persönliche Meinung auch abwarten, gemeinsam die „schlimme“ Zeit überstehen. Gemeinsam wachsen und lernen, meist ist das zwar der schwierigere Weg zum Ziel aber bestimmt der bessere. ABER für mich steht auch die Gesundheit der Hunde an erster Stelle, sollten nun dringende medizinische Indikationen eine Kastration unumgänglich machen, alle Hausmittel und Medikamente nicht mehr helfen, so sehe ich auch ein, dass eine Kastration sinnvoll ist, um das Tier vor unnötigem Leid zu schützen. Ich finde man darf, soll und kann die Frage nicht pauschal beantworten, weil einfach viel viel zu viele Faktoren dabei eine Rolle spielen. Wichtig ist aber m.E., dass man sich den Schritt wohl überlegt, denn rückgängig kann man es nimmer machen und die Schmerzen, die der Hund dabei und die Zeit danach erleidet, seelisch und körperlich, kann er uns nur bedingt zeigen… aber gewiss sind diese immens groß.
Dann vielleicht doch lieber eine Sterilisation?
Unterschied zwischen Kastration und Sterilisation bei der Hündin
Die Begriffe Kastration und Sterilisation werden oft fälschlicherweise synonym verwendet, obwohl sie sich in ihrer Durchführung und ihren Auswirkungen grundlegend unterscheiden. Beide Verfahren dienen der Verhinderung einer ungewollten Trächtigkeit, jedoch mit unterschiedlichen biologischen und hormonellen Konsequenzen für die Hündin.
Die Kastration der Hündin
Definition und Ablauf
Bei einer Kastration werden die Eierstöcke (Ovarien) operativ entfernt. Dies kann auf zwei Arten erfolgen:
- Ovariektomie: Entfernung nur der Eierstöcke
- Ovariohysterektomie: Entfernung der Eierstöcke und der Gebärmutter
Nach der Entfernung der Eierstöcke werden keine Sexualhormone (Östrogen und Progesteron) mehr produziert, was zu tiefgreifenden Veränderungen im Hormonhaushalt führt.
Folgen der Kastration
1. Fortpflanzung und Läufigkeit
- Die Hündin kann nicht mehr trächtig werden, da keine Eizellen mehr produziert werden.
- Sie wird nicht mehr läufig, da Östrogene, die den Zyklus steuern, fehlen.
2. Hormonelle Auswirkungen
- Der Hormonhaushalt der Hündin verändert sich drastisch, da Sexualhormone nicht nur für die Fortpflanzung wichtig sind, sondern auch viele andere Körperfunktionen steuern.
- Dies kann zu Verhaltensveränderungen führen (z. B. erhöhte Ängstlichkeit oder Unsicherheit).
- Eine Kastration erhöht das Risiko für Harninkontinenz, insbesondere bei großen Rassen.
- Der Stoffwechsel verlangsamt sich, was zu einer erhöhten Neigung zu Übergewicht führt.
3. Gesundheitliche Vorteile und Risiken
✅ Kein Risiko für Gebärmutterentzündung (Pyometra), da die Gebärmutter oft mit entfernt wird.
✅ Keine Eierstockzysten oder hormonell bedingten Scheinträchtigkeiten mehr.
❌ Erhöhtes Risiko für Gelenkerkrankungen, besonders bei früher Kastration.
❌ Erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten wie Osteosarkome (Knochenkrebs) oder Hämangiosarkome.
❌ Erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen (Diabetes, Hypothyreose).
Die Sterilisation der Hündin
Definition und Ablauf
Bei einer Sterilisation werden die Eileiter durchtrennt oder abgebunden, sodass die Eizellen nicht mehr in die Gebärmutter gelangen können.
- Die Eierstöcke bleiben jedoch voll funktionsfähig.
- Der hormonelle Zyklus bleibt erhalten.
Folgen der Sterilisation
1. Fortpflanzung und Läufigkeit
- Die Hündin kann nicht mehr trächtig werden, da die Verbindung zwischen Eierstöcken und Gebärmutter unterbrochen ist.
- Sie wird aber weiterhin läufig, weil die hormonelle Steuerung aus den Eierstöcken erhalten bleibt.
- Sie zeigt weiterhin das für die Läufigkeit typische Verhalten (z. B. blutiger Ausfluss, Markierverhalten, Anziehung von Rüden).
2. Hormonelle Auswirkungen
- Die Sexualhormone bleiben vollständig erhalten.
- Dadurch treten keine typischen Kastrationsfolgen auf (kein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Inkontinenz oder Gelenkerkrankungen).
- Allerdings können weiterhin hormonbedingte Erkrankungen wie Gebärmutterentzündungen oder Scheinträchtigkeiten auftreten.
3. Gesundheitliche Vorteile und Risiken
✅ Keine hormonellen Nebenwirkungen wie Übergewicht oder Inkontinenz.
✅ Gelenkentwicklung und Stoffwechsel bleiben unbeeinträchtigt.
❌ Kein Schutz vor Gebärmuttererkrankungen (Pyometra, Tumore).
❌ Weiterhin hormonelle Schwankungen und Läufigkeit.
Vergleich: Kastration vs. Sterilisation
|
Merkmal |
Kastration |
Sterilisation |
|
Entfernung von |
Eierstöcke (mit oder ohne Gebärmutter) |
Nur Durchtrennung der Eileiter |
|
Fortpflanzung |
Unmöglich |
Unmöglich |
|
Läufigkeit |
Fällt weg |
Bleibt erhalten |
|
Hormonproduktion |
Stoppt vollständig |
Bleibt erhalten |
|
Stoffwechsel |
Verlangsamt sich (höhere Gewichtszunahme) |
Bleibt unverändert |
|
Risiko für Pyometra |
Kein Risiko (falls Gebärmutter entfernt) |
Weiterhin vorhanden |
|
Risiko für Krebsarten |
Höheres Risiko für einige Krebsarten (Osteosarkome, Hämangiosarkome) |
Unverändert |
|
Gelenkprobleme |
Risiko erhöht (bei früher Kastration) |
Unverändert |
|
Verhalten |
Kann sich verändern (z. B. erhöhte Ängstlichkeit) |
Bleibt unverändert |
Welche Methode ist besser?
Die Wahl zwischen Kastration und Sterilisation hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter Rasse, Gesundheit und Lebensweise der Hündin.
Wann ist eine Kastration sinnvoll?
- Wenn das Risiko für Gebärmutterentzündungen oder hormonbedingte Erkrankungen minimiert werden soll.
- Bei Hündinnen, die starke Scheinträchtigkeiten durchmachen und darunter leiden.
- Wenn kein Interesse an einer fortlaufenden Läufigkeit besteht.
- Wenn die Kastration erst nach vollständiger körperlicher Entwicklung durchgeführt wird (nicht zu früh!).
Wann ist eine Sterilisation eine bessere Wahl?
- Wenn man eine Trächtigkeit verhindern, aber den natürlichen Hormonhaushalt erhalten möchte.
- Wenn die Hündin gesund ist und keine Probleme mit Scheinträchtigkeiten oder Gebärmutterentzündungen hat.
- Bei Rassen mit hohem Risiko für Gelenkerkrankungen (z. B. Labrador Retriever, Golden Retriever), da eine Sterilisation das Wachstum nicht beeinflusst.
So das wars. Ihr dürft jetzt drei Kreuze machen und Euch vorallem eure eigene Meinung dazu bilden. , wenn ihr es bis hierher durchgehalten habt…